Als wir von takeoff am Anfang dieses Jahres nach spannenden Projekten suchten, stießen wir auf den Wettbewerb der Körberstiftung, der 2014/2015 unter dem Motto 'Anders sein. Außenseiter in der Geschichte' steht. Da uns dieser Themenbereich sehr interessierte, machten wir uns auf die Suche nach einem Thema. Für Schüler [1] wie uns aus der 8. bis 10. Klasse gar nicht so leicht. Nach vielen Überlegungen und zahlreichen Gesprächen mit Experten, erfuhren wir allerdings von dem ehemaligen Karzer im Dachgeschoss des Freisinger Asamgebäudes mit Graffiti aus dem 18. Jahrhundert. Schmierereien auf Tischen und Wänden in unserer Schule kannten wir ja, aber dass sich die Schüler schon damals mit so ähnlichen Kritzeleien verewigten, faszinierte uns alle auf Anhieb. Hier haben Menschen vor 300 Jahren Botschaften hinterlassen, während sie für eine gewisse Zeit aus der Gemeinschaft ausgeschlossen waren. Während unserer Themensuche waren wir immer wieder auf Außenseiter gestoßen, die uns sehr fremd waren. Ihre Andersheit macht sie zum Thema, aber dass wir über sie schreiben, hält ihre Andersheit auch für immer fest.

Ausgehend von den Spuren im Freisinger Karzer wollen wir untersuchen, wie Schüler wie wir erste Erfahrungen als Außenseiter machen und wie sie darauf reagieren. Was bewirkt die Erfahrung, für eine Zeit ausgeschlossen und allein zu sein? Wie geht man mit dem eigenen Anderssein um? Wird man dadurch zu einem Anderen?

Wie man sich einen Karzer vorzustellen hat und was ausschließende Strafen wie der Arrest im Karzer bewirken, haben wir in dem Dokumentationsfilm 'Ein Tag im Karzer' festgehalten. Außerdem wollte Vida genauer wissen, was ein Karzer eigentlich ist und welche Bedingungen dort herrschten. Die beiden Julias beschäftigten sich mit der Geschichte des Freisinger Karzers und den dort gefundenen Graffiti. Maximilian informierte sich über ausschließende Strafen in der Geschichte. Unter dem Überbegriff 'Narrenhände beschmieren Tische und Wände' fragten sich Emilia und Felix, was Schüler dazu bringt, in unbeachteten Momenten Graffiti und Kritzeleien auf Tische und Wände zu malen. Hierfür gab ihnen Herr Prof. Prenzel wertvolle Informationen. Zwei Schülerinnen, Carla und Emily, lasen literarische Bücher und schrieben anschließend einen Text über Ausgrenzung von Schülern in der Literatur.

Abschließend stellte sich nun die Frage: "Ist der kurzzeitige Ausschluss aus einer Klasse, einer Gemeinschaft, einer Familie der erste Moment, in dem man sich als Ausgestoßener oder Außenseiter fühlt?"

Hierüber zerbrach sich Maxi den Kopf und verfasste schließlich den eher philosophischen Text 'Gedanken zum Ausschluss in Schule und Unterricht'.

Insgesamt war es eine aufwendige, aber wahnsinnig lehrreiche und spannende Erfahrung, und wir wünschen Ihnen nun genauso viel Spaß beim Lesen, wie wir beim Erforschen hatten.

 

 

[1] Aus Gründen der Lesbarkeit sprechen wir von "Schülern" und "Lehrern", auch wenn wir alle Geschlechter meinen.