Arbeitsbericht

von Emily Hornburg und Carla Fuchs

 

Als wir von dem Karzer in Freising erfahren und in takeoff beschlossen hatten, am Wettbewerb teilzunehmen, musste natürlich überlegt werden, wie man am besten an das Thema herangehen könnte. Das Erste, was mir dazu einfiel ,war Folgendes: "Ich werde mich ein paar Stunden – vielleicht auch über Nacht – in einem leeren, fensterlosen Raum einsperren lassen, um zu sehen, wie man sich dort nach längerer Zeit des Eingesperrtseins fühlt.  Auf welche Weise könnte man ein Gefühl besser nachvollziehen als durch das Erleben am eigenen Leib?" Die Gelegenheit, sich in einem echten Karzer einsperren zu lassen, bot sich uns natürlich nicht – wir würden auf einen 'normalen' Raum zurückgreifen müssen. Nach einigem Überlegen, wie man diesen Versuch am realistischsten arrangieren könnte, kamen wir zu dem Schluss, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, wie wir am Anfang gedacht hatten:

1. Dieses Vorgehen lässt keine sichere Angabe darüber zu, wie sich ein Schüler während und nach dem Aufenthalt im Karzer fühlt, weil es mit Sicherheit ein anderes Gefühl ist, sich freiwillig für eine abgesprochene Zeit in einem 'sicheren Raum'  einsperren zu lassen als von einer Erziehungsperson für eine ungewisse Länge gegen den Willen und zur Bestrafung in einen Karzer geworfen zu werden.

2. Emily sah das Ganze als eine Art Herausforderung. Um immerhin einen ungefähren Eindruck bezüglich der Gefühle zu gewinnen, hätte man jemanden einsperren müssen, dem diese Zeit des Eingesperrtseins von vornherein Angst oder Unbehagen bereitet. Aber weil wir selbst in unserem Beitrag in der Kontra-Partei bezüglich körperliche Züchtigungen sind, wäre es etwas unprofessionell und unentschlossen rübergekommen, wenn wir auf diese Weise vorgegangen wären.

 

Summa summarum: Kein Versuch am eigenen Leib!

 

Weil wir ja ursprünglich vorhatten, uns mit der Psychologie eines Karzerinsassen zu beschäftigen, war das schriftliche Thema für uns beide - Emily und Carla - schnell gefunden: Wie verhalten und fühlen sich Kinder, wenn sie ausgegrenzt werden? Warum grenzen Kinder eigentlich aus?

Anhand des Buches 'Die Absonderung' von Georges-Arthur Goldschmidt (* 2. Mai 1928 in Reinbek bei Hamburg) wollten wir mehr darüber herausfinden. Es war sehr schwer, die autobiographische Erzählung zu lesen. Nicht nur, weil sie auf sehr hohem sprachlichen Niveau verfasst ist, sondern auch wegen der häufigen Beschreibungen brutalster Züchtigungen. Zwar hat man schon oft von geschlagenen oder ausgegrenzten Schülern gehört, doch einen solchen Text zu lesen, in dem Wissen, dass diese qualvollen Szenen wirklich von einem Menschen durchlitten werden mussten, ist ein ganz anderes, tiefgehendes Gefühl; als ob man die Qualen am eigenen Leib noch einmal durchleben müsste.

Zusätzlich lasen wir ,'Unterm Rad' von Hermann Hesse. Auch diese Erzählung hat einen autobiographischen Hintergrund. Herr Schebler wurde über seine Frau auf das Buch aufmerksam, die es in der Schule einmal als Lektüre gelesen hatte; ebenso wie meine Mutter, wie ich später erfuhr.

Um uns allgemein über das Thema zu informieren, dann aber auch explizit wegen Hesse, gingen wir 'Genies in der Schule – Legende und Wahrheit über den Erfolg im Leben' von Gerhard Prause durch, ein Buch das über die Schulzeit bekannter und bedeutender Personen Auskunft gibt. Goldschmidt wird leider nicht erwähnt.

Außerdem lasen wir gemeinsam noch einige vergnügliche Karzergeschichten, die uns aber nicht viel nützten, weil es sich um frei erfundene, historisch unbedeutende Kurzgeschichten handelte.

Weiteres Material, das wir letztendlich nicht verwendeten, sind die Filme ,,Die Feuerzangenbowle“ und ,'Die Kinder des Monsieur Mathieu', in denen jeweils eine Karzerszene vorkommt.

 

Nach gründlicher Analyse der Bücher trafen wir uns unter anderem mit dem Psychotherapeuten Hans Kellinghusen, der uns in einem Interview interessante Informationen zum Thema Exklusion unter Jugendlichen gab. Auf die Idee, mit Herrn Kellinghusen zu sprechen, kamen wir während des Überlegens, wie wir unseren gescheitertes Versuch am eigenen Leib ersetzen könnten. Außerdem ist es schließlich immer ratsam, auch mit einem Fachmann zu sprechen.

Auszüge des Gesprächs können in unserem Film wiedergefunden werden.

 

Auch dieser Film muss in unserem Arbeitsbericht erwähnt werden. Während wir uns überlegten, wie wir den Versuch arrangieren könnten, spielten wir auch mit dem Gedanken, das ganze Szenario mit der Kamera festzuhalten. Daraus wurde letztendlich unser Film, den wir mit mir (Emily) in der Hauptrolle im alten Gefängnis von Freising drehten. Diese Dreharbeiten waren für mich als Akteurin wirklich unterhaltsam. Zwar war es nicht besonders gemütlich, dutzende von Takes in quasi unbeheizten Räumen zu filmen, doch das gemeinsame Erarbeiten dieser Szenen hat sich wirklich gelohnt. Wir konnten natürlich nicht das ganze Filmmaterial verwenden, doch die besten Szenen können zusammen mit Frau Götz´ Führung durch den Karzer, Vidas ,,Karzer-Referat“ und einigen Ausschnitten aus dem Interview mit Herrn Kellinghusen angesehen werden.

 

Ein spannendes Thema war es auf jeden Fall, sich sowohl von psychologischer als auch philosophischer Seite den Beweggründen, die ausgrenzende Kinder bzw. Erwachsene antreiben, und den Gefühlen, die ausgegrenzte Kinder empfinden, zu nähern.

Natürlich biete dieses Thema auch viel Diskussionsstoff, weshalb wir – Carla und Emily – uns mehrmals trafen, um alle Ansichten und Aspekte zu besprechen. Letztendlich konnten wir aber  Meinungsverschiedenheiten ausdiskutieren und einen Text verfassen, mit dem wir beide zufrieden sind.

 

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