Ausschließende Strafen in der Geschichte

von Maximilian Fuchs

 

Der Einsatz von ausschließenden Strafen oder Ordnungsmaßnahmen in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen ist schon sehr früh bei verschiedenen vergangenen Völkern zu finden.

 

Die älteste bekannte Verwendung dieser erzieherischen Maßnahmen wird aus dem Alten Ägypten überliefert. Ägyptische Schüler, die "sich allzu sehr den Vergnügungen wie Musik, Tanz und flotten Mädchen hingegeben hatte[n]"[1], also ihre Schulpflichten, insbesondere das Schreiben, vernachlässigt hatten, wurden, nachdem die vorausgegangenen Prügelstrafen beinahe oder vollständig wirkungslos geblieben waren, "in den 'Stock', eine Art Fußfessel, gesperrt"[2]. Die folgende Exklusion durch Festsetzung konnte mitunter sehr lang werden:

 

"Drei volle Monate saß er an mir,

während ich eingesperrt war im Tempel […].

Er (der Stock) wich erst von mir,

als meine Hand geschickt (lit. geöffnet) war und ich den übertraf,

der mir vorausgewesen war,

als ich an der Spitze all meiner Kameraden war

und sie in den Schriftrollen übertroffen hatte."[3]

 

 

Das Abnehmen dieser Fußfesseln erfolgte demnach erst, wenn der Schüler seine Versäumnisse beim Schreiben nachgeholt hatte und er darin besser als seine Mitschüler war. Ob die Schüler während dieser langen Dauer des Gefesselt-und-eingesperrt-seins auch hin und wieder von dem Stock befreit wurden, um sich zu bewegen, ist an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt.

 

In Mesopotamien wurde ähnlich wie im Alten Ägypten, wenn mit den zuvor erfolgten körperlichen Strafmaßnahmen nicht die angestrebte Wirkung erzielt worden war, der Schüler mithilfe des 'Stockes' gefesselt. Anschließend wurde "mit längerem Freiheitsentzug bzw. Hausarrest gedroht:

'Wenn ich Dir gegenüber nach meinem eigenen Willen handeln (könnte), würde einer,

der wie Du handelt, [...]

nachdem er kupferne Fesseln an seine Füße angelegt bekam,

im Haus umhergehen und aus dem Edibb‘a für zwei Monate nicht herauskommen.'"[4]

 

Auch im antiken Griechenland wurden noch weiter Exklusionsstrafen als erzieherische Maßnahmen eingesetzt, wie zum Beispiel "Nachsitzen, Einsperren, Hungern etc."[5]. Aber auch im alten Rom war dieser Straftypus nicht unüblich. In den Bildungseinrichtungen dieser Zeit hatte "das erste Vergehen nach der dritten Prügelstrafe […] die Exmatrikulation zur Folge"[6]. Wenn die Schüler bzw. Studenten sich zum vierten Mal mit Beschäftigungen wie dem Abgeben mit Frauen, dem übermäßigen Konsum von Alkohol und anderen Genussmitteln oder sich anders auf irgendeine negative Weise bemerkbar gemacht hatten, wurden sie unverzüglich von der weiteren Ausbildung ausgeschlossen. [6]

 

Im Mittelalter hingegen wurden im Gegensatz zu den vorausgegangenen schon beschriebenen Kulturen ausschließende Schulstrafen so gut wie nie an Schülern vollzogen, da hier vermehrt die Prügelstrafe zum Einsatz kam. Die Aussage von Erasmus von Rotterdam, "Man möchte es nicht eine Schule, sondern eine Folterkammer nennen, so schallt es von Ruten- und Stockschlägen"[7], drückt die hohe Bedeutung der Gewaltstrafen sehr gut aus.

 

Erst Jahrhunderte später wurde den ausschließenden Schulstrafen wieder mehr Bedeutung zugemessen. Diese hatten dann jedoch auch wieder das Ausmaß wie in Ägypten bzw. Mesopotamien, wo versucht worden ist, die Schüler mit der Beraubung ihrer Freiheit zu disziplinieren. Dies ist unter anderem in der Anleitung eines englischen Lehrers, wie man mit verschiedenen Strafen den größtmöglichen Nutzen bei den Schülern erzielt, festgehalten:

 

"Die gefürchtetste Strafe ist seit je das Einsperrren nach Schulschluss. Vielerorts ist diese Methode allerdings beim Lehrkörper unbeliebt, weil man irrigerweise glaubt, dann müsse eine Aufsichtsperson im Schulgebäude verbleiben.

Diese Vorsicht ist aber überflüssig, wenn man den Missetäter an sein Pult fesselt […] und ihn daran hindert, Unfug zu treiben."[7]

 

Ob diese Strafe allerdings in der Zeit von der zweiten Hälfte vom 18. bis in die erste Hälfte des darauffolgenden Jahrhunderts, als der Autor dieses Textes gelebt hat, in dieser beschriebenen Härte zustande gekommen ist, bleibt offen, denn der Verfasser gibt schließlich nur Empfehlungen für andere Lehrer ab.

Hingegen gab es im 19. Jahrhundert in Bayern auch eine Verordnung, in der vorgeschrieben wird, wann welche Strafe in welcher Härte zustande kommt:

 

"Die Stufenordnung der Schulstrafen ist

a. An- und Abmahnungen,

b. Verweise und Drohungen,

c. Geringe Noten,

d. Stehen in und außer der Schulbank,

e. Sitzen oder Knien auf dem Boden,

f. Temporäre Versetzung in eine eigene Schulbank,

g. Schulzimmer-Arrest über Mittag,

h. Suspension des Schulbesuches mit Hausarrest,

i. Enger Arrest in einem Schulgefängnisse,

k. Züchtigung mit der Ruthe oder einem Stöckchen (= Stock, Stecken),

l. Anzeige und Überlieferung an die Polizei."[8]

 

 

Anders als bei allen anderen beschriebenen Gruppen lässt sich hier eine Tendenz zu ausschließenden Schulstrafen erkennen. Prinzipiell wird versucht, den Schüler eher mit Ausschluss anstellen von Gewalt zur Vernunft zu bringen. Dies geht zunächst einmal vom Nehmen des schulischen Erfolges über den Freiheitsentzuges bis zum Verweis von der Schule.

 

 

[1] Fischer-Elfert, Hans W.: Gegen ein taubes Ohr hilft nur das Rohr – Das harte Brot altägyptischer und sumerischer Schreiberschüler: Nur Opfer?. In: Krebs, Uwe/Forster, Johanna: Vom Opfer zum Täter?; Gewalt in Schule und Erziehung von den Sumerern bis zur Gegenwart; Bad Heilbrunn 2003, S. 40, 41

 

[2] Ebenda, S. 41

 

[3] Ebenda, S. 41

 

[4] Ebenda, S. 47

 

[5] Christes, Johannes: Et nos ergo manum ferulae subduximus. Von brutaler Pädagogik bei Griechen und Römern. In: Kreebs, Uwe/Forster, Johanna: Vom Opfer zum Täter?, Gewalt in Schule und Erziehung von den Sumerern bis zur Gegenwart; Bad Heilbrunn 2003, S. 64

 

[6] Demandt, Alexander: Zeitenwende; Aufsätze zur Spätantike; Berlin 2003, S. 272

 

[7] Strafen in der Schule. In: URL: http://www.msichenhausen.de/schulmuseum-materialien-1/schulgeschichte/schulstrafen/; Zugriff am 17.02.2015

 

[8] Huber, Ernst: Sonderausstellung „Vom Opfer zum Täter? Gewalt in Erziehung und Schule“; „Wer sein Kind liebt, züchtigt es.“; Lohr 2003: URL: http://www.bnmsp.de/home/e.huber/schulmuseum/opfer.pdf